Das Wichtigste in Kürze:
- Vorreiterrolle deutscher Städte: Berlin verzeichnete durch autofreie Zonen und erweiterte Radwege einen Anstieg des Radverkehrs um 12 %. Köln reduzierte im autofreien Quartier Deutz den Autoverkehr um 30 %.
- Klimaschutz mit Wirkung: Durch konsequente Umsetzung des 15-Minuten-Stadt-Konzepts könnten deutsche Städte jährlich bis zu 1,5 Mio. Tonnen CO₂ einsparen – das entspricht einer Reduktion städtischer Verkehrsemissionen um bis zu 25 %.
- Mehr Lebenszeit für Pendler: innen: Kürzere Wege bedeuten bis zu 5 Stunden Zeitersparnis pro Woche – das sind fast 11 Tage zusätzliche Freizeit im Jahr.
- Wirtschaftlicher Impuls für die Stadtviertel: Studien zeigen: Fußgängerfreundliche Zonen und lokale Nahversorgung steigern den Umsatz kleiner Geschäfte um bis zu 20 %.
- Nachhaltige Mobilität auf dem Vormarsch: Städte wie München setzen auf Quartiersgaragen und über 100 km neue Radwege, um bis zu 70 % aller innerstädtischen Wege nachhaltig abzudecken.
Inhalt
- Einleitung: Die Stadt neu denken – Vision und Bedeutung der 15-Minuten-Stadt
- Was ist Stadtplanung in der 15-Minuten-Stadt?
- Wie wird eine Stadt zur 15-Minuten-Stadt?
- Mobilität in der 15-Minuten-Stadt
- Öffentlicher Verkehr in der 15-Minuten-Stadt
- Fußgänger- und fahrradfreundliche Städte
- Fazit: Die 15-Minuten-Stadt als Bauplan für die Zukunft
Einleitung: Die Stadt neu denken – Vision und Bedeutung der 15-Minuten-Stadt
In einer Welt, in der Städte stetig wachsen und Verkehrsprobleme, Umweltbelastung sowie soziale Ungleichheit zunehmen, suchen Stadtplaner:innen und Architekt:innen weltweit nach nachhaltigen Lösungen. Eine Antwort darauf liefert ein innovatives Konzept, das in den letzten Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen hat: die 15-Minuten-Stadt.
Dieses städtebauliche Modell wurde maßgeblich vom französischen Stadtforscher Carlos Moreno geprägt. Seine Vision ist denkbar einfach, aber tiefgreifend: Alles, was ein Mensch für sein tägliches Leben braucht – Arbeit, Bildung, Einkauf, Gesundheitsversorgung, Erholung – soll innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein.
Doch das Konzept ist weit mehr als nur ein Vorschlag zur Verkehrsreduktion. Es steht für eine grundlegende Neugestaltung urbaner Lebensräume, in denen der Mensch wieder im Mittelpunkt steht. Weniger Abhängigkeit vom Auto, mehr Lebensqualität, stärkere Nachbarschaften und nachhaltige Mobilität – das sind die tragenden Säulen dieser Idee.
Die 15-Minuten-Stadt zielt darauf ab, unsere Städte resilienter, grüner und sozial gerechter zu machen. Sie ist eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit: Klimawandel, Energieknappheit, soziale Isolation und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit in einer anonymisierten Stadtlandschaft.
Quellen:
Was ist Stadtplanung in der 15-Minuten-Stadt?
Grundprinzipien: Stadtplanung neu gedacht
Die Stadtplanung in einer 15-Minuten-Stadt bedeutet eine radikale Abkehr vom klassischen Modell der autogerechten Stadt. Sie basiert auf drei innovativen Konzepten, die eng miteinander verzahnt sind:
Chrono-Urbanismus
Dieser Begriff beschreibt das Zeitmanagement in der Stadt. In einer gut geplanten Stadtstruktur soll der Alltag der Bewohner:innen weniger Wege und weniger verlorene Zeit im Verkehr bedeuten. Ob Arbeitsweg, Arztbesuch oder Wocheneinkauf – alles findet im direkten Wohnumfeld statt. So wird Zeit für Familie, Erholung oder ehrenamtliches Engagement frei.
Chronotopie
Räume werden vielseitig genutzt – je nach Tageszeit und Bedarf. Ein gutes Beispiel ist ein Schulhof, der am Nachmittag als öffentlicher Spielplatz oder Begegnungsort fungiert. Auch Bibliotheken, Kirchen oder Sporthallen können multifunktional genutzt werden. Diese Art der Raumplanung erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die soziale Durchmischung und Integration.
Topophilie
Der Begriff beschreibt die emotionale Bindung von Menschen zu ihrem Lebensraum. In der 15-Minuten-Stadt wird diese durch begrünte Plätze, belebte Nachbarschaften, kulturelle Angebote und architektonische Vielfalt gefördert. Menschen, die sich mit ihrer Umgebung identifizieren, fühlen sich wohler, leben gesünder und übernehmen eher Verantwortung für ihr Quartier.
Das übergeordnete Ziel: Dezentralisierung der Stadt. Anstelle riesiger Einkaufszentren oder Bürokomplexe am Stadtrand entstehen kleinteilige, lebendige Kieze, in denen Wohnen, Arbeiten und Freizeit nah beieinanderliegen.
Urbane Dichte & gemischte Nutzung
Ein Herzstück der 15-Minuten-Stadt ist die urbane Dichte, also eine Bebauung, die genügend Menschen, Funktionen und Angebote auf engem Raum vereint. Das ermöglicht es, kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen – ohne dabei auf Vielfalt zu verzichten.
Dabei gilt: Dichte heißt nicht automatisch Betonwüste! Durch durchdachte Architektur, Grünräume, Durchmischung von Nutzungen (z. B. Wohnen über Läden, Büros neben Parks) entsteht ein lebenswertes Stadtbild.
Gemischte Nutzung reduziert nicht nur den Verkehrsaufwand, sondern fördert auch Sicherheit (durch soziale Kontrolle) und wirtschaftliche Stabilität, da Quartiere nicht einseitig von nur einer Funktion abhängig sind.
Eine Vision für resiliente Städte
Die Stadtplanung in der 15-Minuten-Stadt reagiert auf viele Herausforderungen der Gegenwart:
- Klimawandel & Energiekrisen: Weniger Verkehr, mehr Grünflächen und lokale Versorgungskreisläufe senken Emissionen und Energieverbrauch.
- Demografischer Wandel: Menschen jeden Alters – von Kindern bis Senioren – profitieren von kurzen Wegen und barrierefreien Angeboten.
- Soziale Spaltung & Isolation: Quartiere, die Begegnung fördern, stärken das Gemeinschaftsgefühl und den sozialen Zusammenhalt.
- Krisenfestigkeit: Ob Pandemie oder Naturkatastrophe – dezentrale Strukturen sind flexibler und robuster.
Quellen:
Wie wird eine Stadt zur 15-Minuten-Stadt?
Der Weg zur 15-Minuten-Stadt ist kein spontanes Projekt, sondern ein systemischer Wandel, der sorgfältige Planung, politische Unterstützung und die Beteiligung der Bürger:innen erfordert. Es geht nicht darum, bestehende Städte komplett neu zu bauen, sondern bestehende Strukturen intelligent umzuwandeln.
Der Weg zur 15-Minuten-Stadt – Schritt für Schritt
Hier sind die zentralen Maßnahmen, mit denen Städte sich auf den Weg zur 15-Minuten-Stadt machen können:
1. Bestandsaufnahme und Analyse
Alles beginnt mit der Frage: Was fehlt – und wo? Städte müssen erheben:
- Wie ist das Versorgungsnetz innerhalb der Quartiere?
- Gibt es medizinische Versorgung, Schulen, Supermärkte, Freizeiteinrichtungen in Wohnnähe?
- Wie bewegen sich die Menschen? Welche Verkehrsmittel dominieren? Wo entstehen Engpässe?
Diese Daten bilden die Grundlage für gezielte Eingriffe und Investitionen.
2. Infrastruktur verbessern
Der Ausbau nachhaltiger Infrastruktur steht im Zentrum:
- Sichere, barrierefreie Gehwege und gut ausgebaute Radwege.
- Verkehrsberuhigte Zonen, Spielstraßen und autofreie Bereiche.
- Multifunktionale Räume wie Stadtteilzentren, Bibliotheken, Begegnungscafés.
- Neue Grünflächen und Aufenthaltsräume im Freien.
Das Ziel ist eine menschenfreundliche Stadt, die zum Verweilen einlädt – auch ohne Konsumzwang.
3. Funktionale Mischung stärken
Durch Umnutzung und Neuplanung soll eine Durchmischung verschiedener Funktionen entstehen:
- Wohnen, Arbeiten, Lernen und Erholen sollen im gleichen Quartier möglich sein.
- Leerstehende Gebäude können umgewandelt werden – etwa alte Büroflächen in Wohnungen oder Co-Working-Spaces.
- Erdgeschosse werden neu belebt: mit kleinen Läden, Cafés, Werkstätten oder sozialen Einrichtungen.
Diese Vielfalt macht Stadtteile lebendig und resilient – wirtschaftlich wie sozial.
4. Mobilitätswende umsetzen
Der Übergang von der autodominierten Stadt zur 15-Minuten-Stadt erfordert eine grundlegende Verkehrswende:
- Öffentlicher Nahverkehr wird gestärkt: dichter Takt, bessere Erreichbarkeit
- Fahrrad- und Fußverkehr bekommen Vorrang – durch sichere Wege, klare Beschilderung, gute Beleuchtung.
- Digitale Mobilitätslösungen wie Carsharing, Bikesharing oder On-Demand-Shuttles ergänzen das Angebot.
- Parkplätze werden reduziert oder in Grünflächen, Spielorte und Sitzgelegenheiten umgewandelt.
Die Vision: Eine multimodale, flexible Mobilitätskultur, in der das Auto nicht mehr Zentrum des städtischen Lebens ist.
Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis
Paris – Pionierin der 15-Minuten-Stadt
Unter Bürgermeisterin Anne Hidalgo wurde Paris zur Vorzeigestadt:
- Über 1.000 km neue Radwege, viele davon auf ehemaligen Autospuren.
- Schulzonen autofrei gestaltet, um Sicherheit und Lebensqualität zu erhöhen.
- Öffentliche Plätze wurden begrünt, versiegelt weniger Flächen.
Die Pariser „ville du quart d’heure“ gilt heute als internationales Vorbild.
Wien – Stadt der kurzen Wege
Wien setzt auf das Konzept der „Stadt der kurzen Wege“:
- Öffentliche Nahversorgung im Fokus: Apotheken, Supermärkte, Ärzte in allen Stadtteilen.
- Stadtentwicklungsgebiete wie Seestadt Aspern kombinieren Wohnen, Arbeiten und Freizeit auf engstem Raum.
- Der ÖPNV wurde mit einem dichten Netz aus Bus, Straßenbahn und U-Bahn ausgebaut.
Das Ergebnis: Eine der lebenswertesten Städte der Welt – laut zahlreichen Rankings.
Fazit: Kein Masterplan, sondern ein Baukasten
Die Umsetzung der 15-Minuten-Stadt ist kein „One-size-fits-all“-Modell. Jede Stadt hat ihre Geschichte, ihre Geografie, ihre Menschen. Doch mit einem klaren Zielbild, datenbasierter Planung und dem politischen Willen lässt sich die Transformation Schritt für Schritt gestalten – vom Betonmeer zum lebenswerten Quartier.
Quellen:
Mobilität in der 15-Minuten-Stadt
Warum Mobilität der Schlüssel ist
Mobilität ist das verbindende Element aller Lebensbereiche in der 15-Minuten-Stadt. Denn was nützt die beste Infrastruktur, wenn sie nicht leicht und nachhaltig erreichbar ist? Das Ziel ist nicht nur, Wege zu verkürzen, sondern auch die Art der Fortbewegung grundlegend zu verändern.
Kernprinzipien moderner Mobilität:
- Kurze Wege: Planung, bei der möglichst viele Alltagsziele innerhalb von 15 Minuten erreichbar sind – zu Fuß oder per Fahrrad.
- Multimodalität: Verschiedene Verkehrsmittel lassen sich flexibel kombinieren (z. B. Fahrrad + Bahn).
- Nachhaltigkeit: Statt auf den motorisierten Individualverkehr zu setzen, stehen aktive und kollektive Mobilitätsformen im Fokus.
Positive Effekte nachhaltiger Mobilität
Ein durchdachtes Mobilitätskonzept bringt zahlreiche Vorteile – individuell, gesellschaftlich und ökologisch:
- Gesundheit: Wer mehr zu Fuß geht oder Rad fährt, bleibt körperlich aktiver. Gleichzeitig sinkt die Lärmbelastung durch weniger Autoverkehr.
- Zeitersparnis: Kein Parkplatzsuchen, keine Staus – tägliche Wege werden stressfreier.
- Umwelt: Weniger Emissionen, weniger versiegelte Flächen, bessere Luftqualität.
- Soziale Gerechtigkeit: Auch Menschen ohne Auto – wie Kinder, ältere Menschen oder sozial Benachteiligte – erhalten Zugang zu wichtigen Zielen des Alltags.
Die 15-Minuten-Stadt demokratisiert Mobilität: Jede:r kann sich fortbewegen, ohne abhängig zu sein von einem eigenen Fahrzeug.
Integration verschiedener Verkehrsmittel
Ein modernes Mobilitätskonzept setzt auf intelligente Vernetzung statt Konkurrenz:
Fahrrad & Fußwege
- Ausbau eines sicheren, durchgängigen Radwegenetzes mit guter
- Beleuchtung, klarer Markierung und witterungsresistenter Oberfläche.
- Einrichtung von Fahrradstraßen und Vorrangrouten, auch für E-Bikes und Lastenräder.
- Fußwege, die breit, eben, beschattet und barrierefrei sind – für alle Generationen nutzbar.
- Begegnungszonen: Plätze, an denen sich Verkehrsteilnehmer:innen gleichberechtigt begegnen.
Öffentlicher Nahverkehr
- Haltestellen im Wohnumfeld mit barrierefreiem Zugang.
- Taktverdichtung: Busse und Bahnen fahren häufiger und pünktlicher.
- Digitale Fahrgastinformationen und mobile Ticketlösungen verbessern die Nutzerfreundlichkeit.
- Intermodale Schnittstellen, z. B. Bike+Ride oder Carsharing am Bahnhof
Digitale Mobilitätsangebote
- Echtzeit-Informationen über Apps oder Displays an Haltestellen.
- Integration von Sharing-Angeboten (E-Scooter, Fahrräder, Autos) in den ÖPNV.
- Mobilitäts-Hubs als zentrale Knotenpunkte mit Ladeinfrastruktur, Verleihstationen und Services.
Ziel: Ein städtisches Mobilitätsnetz für alle
Ein erfolgreiches Mobilitätskonzept macht den Alltag einfach, inklusiv und emissionsarm. Es ersetzt nicht nur das Auto, sondern bietet bessere Alternativen:
- Bewegung wird zur Selbstverständlichkeit – im Alltag statt im Fitnessstudio.
- Mobilitätsarmut wird bekämpft – kein Auto bedeutet nicht mehr Ausgrenzung.
- Kinder können selbstständig zur Schule, Senioren sicher zum Supermarkt, Pendler:innen stressfrei ins Büro.
In der 15-Minuten-Stadt ist Mobilität nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein aktiver Bestandteil eines gesunden, nachhaltigen Lebensstils.
Quellen:
Öffentlicher Verkehr in der 15-Minuten-Stadt
Warum der öffentliche Verkehr zentral ist
Ein gut ausgebauter, zuverlässiger und barrierefreier öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) ist unverzichtbar für das Funktionieren der 15-Minuten-Stadt. Er bildet die Verbindung zwischen den Quartieren, ermöglicht soziale Teilhabe und reduziert die Notwendigkeit des privaten Autos.
Das Ziel: Jeder Mensch, unabhängig von Alter, Einkommen oder Mobilität, kann sich bequem, sicher und kostengünstig in der Stadt bewegen.
Grundbausteine eines zukunftsfähigen ÖPNV-Systems
Ein moderner öffentlicher Verkehr in der 15-Minuten-Stadt ist:
- Nah: Haltestellen befinden sich in Gehweite – auch für ältere Menschen und Kinder.
- Dicht getaktet: Busse, Straßenbahnen und Bahnen fahren häufig und zuverlässig, auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten.
- Barrierefrei: Stufenlose Einstiege, Ansagen für Seh- und Hörbehinderte, niedrige Bordsteine.
- Digital integriert: Mit Echtzeit-Fahrplänen, Apps zur Routenplanung, einfacher Buchung und Bezahlung.
Das bedeutet: ÖPNV als Alltagserleichterung, nicht als umständliche Alternative.
Lebensqualität durch gute Erreichbarkeit
Wenn die Haltestelle nur ein paar Minuten entfernt ist – und der Bus auch wirklich kommt – verändern sich viele Aspekte des Alltags:
- Mehr Freizeit: Kürzere, effizientere Wege bedeuten mehr Zeit für Familie, Freunde oder Hobbys.
- Weniger Stress: Keine Parkplatzsuche, keine Staus, kein Getanke.
- Stärkung des sozialen Lebens: Öffentliche Verkehrsmittel sind Orte der Begegnung und ein Instrument gegen Vereinsamung.
- Geringere Kosten: Ein günstiger ÖPNV senkt die Lebenshaltungskosten – vor allem für Haushalte mit kleinem Budget.
Vor allem für Nicht-Autofahrer:innen wie Jugendliche, ältere Menschen oder Menschen mit Einschränkungen ist ein funktionierender ÖPNV gleichbedeutend mit Freiheit und Selbstbestimmung.
Der öffentliche Verkehr als Motor der Stadtentwicklung
Ein leistungsfähiger ÖPNV ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Werkzeug der Stadtgestaltung:
- Neue Haltestellen oder Linien fördern die Entwicklung von Wohnquartieren und Geschäftsstandorten.
- ÖPNV-Knotenpunkte können zu lebendigen urbanen Zentren werden, mit Cafés, Märkten und Grünflächen.
- Gute Anbindung erhöht die Attraktivität des Quartiers – auch für Unternehmen und Familien.
Beispiel Wien: Die Stadt verfolgt eine „Verkehrsvermeidung durch Stadt der kurzen Wege“-Strategie. Die Kombination aus dichter Bebauung, vielfältiger Nutzung und hervorragendem ÖPNV hat Wien mehrfach zur lebenswertesten Stadt der Welt gemacht.
Inklusiver Verkehr: Mobilität für alle
Ein wirklich gerechter öffentlicher Verkehr muss allen zugänglich sein:
- Rollstuhlgerechte Fahrzeuge
- Fahrgastassistenz für Seh- und Hörgeschädigte
- Sichere Übergänge und Rampen
- Verständliche Kommunikation – auch mehrsprachig
Denn: Eine barrierefreie Stadt ist nicht nur besser für Menschen mit Behinderungen, sondern komfortabler für alle – auch mit Kinderwagen, Gepäck oder Fahrrad.
Klimaschutz durch kollektive Mobilität
Ein gut genutzter ÖPNV ist einer der wirksamsten Hebel für den Klimaschutz im urbanen Raum. Statt hundert Autos mit nur einer Person transportiert ein Bus oder eine U-Bahn hunderte Menschen gleichzeitig – und mit deutlich geringerem CO₂-Ausstoß.
Die Formel ist einfach:
Je attraktiver der öffentliche Verkehr, desto weniger Menschen brauchen ein eigenes Auto
Quellen:
Fußgänger- und fahrradfreundliche Städte
Warum aktiver Verkehr so wichtig ist
Gehen und Radfahren sind die ursprünglichsten Formen der Mobilität – sie sind gesund, günstig, leise und emissionsfrei. In der 15-Minuten-Stadt nehmen sie deshalb eine zentrale Rolle ein. Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der der Fuß- und Radverkehr Vorrang hat und als erste Wahl im Alltag wahrgenommen wird – nicht als gefährlicher Kompromiss.
Vorteile aktiver Mobilität:
- Mehr Bewegung im Alltag = bessere Gesundheit
- Weniger Autoverkehr = weniger Lärm und Luftverschmutzung
- Begegnungen im öffentlichen Raum = mehr soziale Kontakte
- Keine Betriebskosten = mehr finanzielle Freiheit
Aktive Mobilität ist also gesund, inklusiv und umweltfreundlich – und damit ein zentrales Instrument zur Steigerung der Lebensqualität.
Gestaltung fuß- und fahrradfreundlicher Räume
Die Infrastruktur entscheidet darüber, ob Menschen sich zu Fuß oder mit dem Rad fortbewegen. Dafür braucht es:
Für Fußgänger:innen:
- Breite, sichere Gehwege, getrennt vom Fahrverkehr
- Begrünung und Sitzmöglichkeiten für Erholungspausen
- Beleuchtung für Sicherheit in den Abendstunden
- Barrierefreiheit für alle – inklusive Rollstuhlfahrer:innen, Senioren und Eltern mit Kinderwagen
- Ampelschaltungen zugunsten von Fußgänger:innen (z. B. kürzere Wartezeiten)
Für Radfahrer:innen:
- Durchgängige, gut ausgeschilderte Radwege – keine abrupten Unterbrechungen
- Physisch getrennte Fahrradspuren, besonders auf Hauptstraßen
- Fahrradabstellplätze und -boxen an Haltestellen, Schulen und Geschäften
- Grüne Wellen für Fahrräder und Vorfahrt an Kreuzungen
- Leih- und Sharing-Angebote für Menschen ohne eigenes Rad
Gute Infrastruktur bedeutet: Sicherheit, Komfort und Selbstverständlichkeit beim Radfahren und Gehen.
Der öffentliche Raum gehört den Menschen
In vielen Städten nimmt der Autoverkehr über 60 % der öffentlichen Fläche ein – obwohl Autos im Schnitt 23 Stunden am Tag parken. Die 15-Minuten-Stadt kehrt dieses Verhältnis um:
- Parkplätze werden umgewandelt in Spielplätze, Sitzbereiche, Urban Gardening oder Cafés.
- Straßen werden temporär oder dauerhaft beruhigt – für Märkte, Straßenfeste oder Spielzonen.
- Schulen erhalten sichere Schulstraßen, auf denen Kinder gefahrlos ankommen.
Das schafft Lebensräume statt Durchfahrtszonen.
Internationale Vorbilder
Barcelona – Superblocks für Fußgänger:innen
Das „Superblock-Modell“ in Barcelona schafft autofreie Zonen von mehreren Häuserblocks:
- Innerhalb der Superblocks: kein Durchgangsverkehr, nur Anwohner:innen dürfen langsam fahren.
- Straßen werden zu Plätzen mit Spielzonen, Bäumen, Bänken und Kulturangeboten.
- Ergebnis: Weniger Lärm, bessere Luft und mehr Aufenthaltsqualität – messbar in Studien.
Kopenhagen – Fahrradstadt Europas
In Kopenhagen fahren über 60 % der Einwohner:innen täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit oder Schule – dank:
- Fahrradschnellwegen quer durch die Stadt, Winterdienst auf Radwegen, und einer Kultur, die das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel wertschätzt.
Die Straße als sozialer Raum
Straßen waren früher Ort der Begegnung, des Handels und des Spiels – heute sind sie oft Lärmachsen. Die 15-Minuten-Stadt will den Straßenraum wieder humanisieren:
- Kinder spielen spontan auf der Straße.
- Nachbar:innen treffen sich zum Plausch auf dem Bordstein.
- Künstler:innen und Straßenmusikanten beleben das Quartier.
- Veranstaltungen finden mitten in der Nachbarschaft statt.
So entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit, Sicherheit und Identität – im direkten Lebensumfeld.
Fazit: Die 15-Minuten-Stadt als Bauplan für die Zukunft
Die 15-Minuten-Stadt ist mehr als ein urbanes Trendwort – sie ist ein Visionärkonzept für lebenswerte, gerechte und klimaschonende Städte. Sie verändert, wie wir leben, arbeiten, lernen und uns bewegen – nicht irgendwann, sondern jetzt.
Durch intelligente Stadtplanung, nachhaltige Mobilität, funktionale Vielfalt und eine Rückgewinnung des öffentlichen Raums entsteht eine Stadt, in der der Mensch wieder im Mittelpunkt steht – und nicht das Auto.